Fokusgruppen für die Meinungsforschung

Kommunikation im gesellschaftspolitischen Kontext steht vor ganz besonderen Herausforderungen: Sie muss komplexe Sachverhalte vermitteln, sie richtet sich an sehr spezifische Zielgruppen oder an die breite Bevölkerung und sie muss sich gegen die massive Präsenz der Konsumwerbung durchsetzen. Umso wichtiger ist es, die Gruppen, die man ansprechen möchte, frühzeitig in den Entwicklungsprozess von Strategien und Kampagnen einzubeziehen und ihre Stimmungen, Haltungen und Reaktionen systematisch zu berücksichtigen. 

Dazu haben sich Fokusgruppen als probates Erhebungsinstrument erwiesen. Fokusgruppen sind ein hoch sensibles Diagnoseinstrument, das es ermöglicht, emotional und rational verankerte Haltungen detailliert zu erfassen, die Menschen gegenüber bestimmten Meinungsgegenständen – wie Institutionen, Akteure, Themen und Botschaften – einnehmen. In Fokusgruppen werden „gleichartige“ Personen als Repräsentanten spezieller ausgewählter Zielgruppen an einen Tisch gebracht. Die Gruppendynamik bewirkt die Transformation von Einzelmeinungen in „öffentliche Meinung“: Man kann also verfolgen, wie Meinungen im sozialen Austausch entstehen, sich verändern und verfestigen.

Fokusgruppen sind mit sechs bis acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern besetzt. Die Gruppen-dramaturgie und die Themenkomplexe werden in einem eigens entwickelten Moderations-leitfaden fixiert. Der Gruppenverlauf wird anhand von Videomitschnitten inhaltsanalytisch ausgewertet. Der verbale Diskurs ist dabei nur „die Spitze des Eisbergs“. Durch verstehende Interpretation wird eine Rekonstruktion der Sichtweisen und Deutungsmuster geleistet. Die so gewonnenen Befunde werden für den Ergebnisbericht strukturiert und synoptisch aufbereitet. Durch ausgewählte Zitate der Befragten bleiben Anschaulichkeit und Authentizität erhalten.